“Hilf mir, wenn du mich liebst.” – Diesen Satz hat sicher schon der ein oder andere von seinen Nächsten gehört. Was wenn es aber keine Behandlungsmethoden mehr gibt, die helfen können? Was wenn alles ausgeschöpft ist? Wenn es nur noch die Möglichkeit gibt über noch mehr Schmerzmittel den Geist und Körper zu betäuben? Was wenn der Betroffene so nicht mehr leben will? Wenn er den seelischen und körperlichen Schmerz nicht mehr ertragen kann und sich mit seinem Dasein trotz aller Bemühungen nur noch quält?

“Ich fühle mich wie in einem Gefängnis”

Gefangen im eigenen Körper, so hat sich auch meine Mama gefühlt, die nach einem Unfall vom Hals abwärts gelähmt war. Über ein Jahr kämpfte sie mit sich und ihrem Körper, der nicht mehr ihrer war, der ihr nicht mehr gehorchte. Ein klarer Kopf auf eine leblosen Körper, der weder gehorcht noch fühlt. Es war unerträglich für sie. Sie war Sportlerin, liebte ihr selbstbestimmtes Leben, war gerne in der Natur. Von der ein auf die anderen Sekunde war nichts mehr davon da. Sie war in der kleinsten Zelle gefangen die es auf Erden gibt. In ihrem eigenen Körper, ohne Aussicht jemals wieder da raus zu kommen. So entschied sie sich für den selbstbestimmten Tod. “Die einzige Freiheit, die ich noch habe.” Es war ihr Weg, sich von ihrem unermesslichem Leid zu befreien.

“Jemanden gehen lassen ist Liebe”.

Es war ein langer und schmerzhafter Prozess, bis ich ihre Entscheidung annehmen konnte. Doch als ich erkannte, dass es hierbei nicht um mich ging, sondern nur um sie, um ihr selbst empfundenes Leid, welches trotz aller Bemühungen nicht zu lindern war, konnte ich den Gedanken zulassen. Sie auf ihrem Weg ihrer selbstgewählten Erlösung zu begleiten und sie gehen zu lassen. Abschied tut weh! Ja, aber es tat mir noch mehr weh, meine Mama so leiden zu sehen. Ich war froh, dass sie selber entscheiden konnte, dass sie wenigstens diese kleine Freiheit hatte, sich für einen würdevollen und selbstbestimmten Tod zu entscheiden.

Der Tod hat nichts Schreckliches, nein er kann in manchen Situationen sogar Erlösung bedeuten.

Als Mama in meinen Armen starb, war mir der Tod sehr nah. In diesem Moment hatte der Tod aber nichts Schreckliches. Für Mama war der Tod die Erlösung. Er befreite sie von ihrem unsäglichem Leid, von ihrem Gefängnis. Ich konnte ihren letzten Wunsch annehmen, und so hat der Tod auch für mich seine Schrecklichkeit verloren.

Der Tod gehört zum Leben dazu. Wenn man sich seiner Sterblichkeit bewusst ist, dann lebt man anders: bewusster, ja vielleicht sogar glücklicher.

“Lebe jeden Tag, als wäre es dein letzter.” 

Genau so sollte man leben, nicht mit angst, aber mit dem Bewusstsein, dass wir nicht ewig sind, dass alles endlich ist.

“Lebe dein Leben, als wäre es dein letztes.”

Das Leben ist ein Geschenk, das man jeden Tag, jede Stunde und jede Sekunde auskosten sollte.