Dignitas Gründer zieht Resümee aus der bisherigen Sterbehilfe-Debatte in Deutschland.

Die Sterbehilfe wird in Deutschland im Bundestag diskutiert. Leider weisen die bisherigen Diskussionen gravierende Mängel auf. Besonders auffällig: unspezifische oder gar falsche Verwendung der Begrifflichkeiten, irreführende Wortwahl, einseitige Betrachtungsweise und die Nichtwahrnehmung des europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, der das Recht auf Suizid ausdrücklich bestätigt.

Es folgen zusammengefasste Auszüge des Artikels auf Tagesspiegel.de.

Begrifflichkeiten falsch verwendet: „aktive Sterbehilfe“ vs. „Beihilfe zum Suizid“

Häufig wird in der Diskussion um Sterbehilfe (fälschlicherweise?) der Begriff „aktive Sterbehilfe“ anstatt „Beihilfe zum Suizid“, um den es in Deutschland geht, verwendet. Die „aktive Sterbehilfe“ meint „Tötung auf Verlangen“, also durch jemand anderen. Darum geht es aber in der Sterbehilfe-Debatte in Deutschland nicht! Diskutiert wird nur, ob die Beihilfe zum Suizid (so wie in der Schweiz) für Ärzte und Organisationen erlaubt wird. Wobei „erlaubt“ relativ ist, faktisch geht es sogar darum, ob das wenige, was derzeit noch geduldet wird, verboten wird. Konkret verboten ist der begleitete Freitod wie die Beihilfe zum Suizid auch genannt wird, in Deutschland nämlich nicht. Zahlreiche Grauzonen und vor allem eine hohe Rechtsunsicherheit, machen es Ärzten und Angehörigen dennoch unmöglich „Suizidbeihilife“ in Deutschland zu leisten. Mehr dazu in einem anderen Beitrag.

Einseitiger Wirtschaftlichkeitsvorwurf an Sterbehilfs-Organisationen!

In der Debatte wird oft mit wirtschaftlichen Interessen Argumentiert, wenn es um Sterbehilfe-Organisationen geht. Was aber ist mit den wirtschaftlichen Interessen der Pharma-Industrie, von Krankenhäusern, Palliativmedizin und Hospizen? Diese verdienen alle gut an der Betreuung terminal Erkrankter in deren letztem Lebensjahr. Müsste das in einer ehrlichen Debatte nicht auch thematisiert werden?

Benutzung polemischer Schlagworte anstatt auf die Mehrheit der Bevölkerung zu hören

Sprüche wie „Menschen sollen an der Hand, nicht durch die Hand eines anderen Menschen sterben“ oder „Suizidbeihilfe soll nicht zum Normalfall werden“ sind häufig anzutreffen. Zum Einen stirbt bei einem begleiteten Suizid niemand durch die Hand eines anderen und zum Anderen sind solche Aussagen nicht mit dem was das Volk möchte konform. Fast 80% haben sich, verschiedenen Umfragen zufolge, in Deutschland für die Sterbehilfe (wie sie in der Schweiz schon seit Jahren erfolgreich durchgeführt wird) ausgesprochen. Die Sterbehilfe, also die Beihilfe zum Suizid, ist in der Schweiz nicht zum Normalvall geworden, sondern steht Menschen nur in Ausnahmefällen zur Verfügung. Und so möchte es auch die deutsche Bevölkerung.

Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hat das Recht auf Suizid ausdrücklich bestätigt

Dass die höchste menschenrechtliche Instanz in Europa das Recht auf Suizid ausdrücklich bestätigt hat, wird in der Sterbehilfe-Debatte vollkommen ausgeblendet.

Beihilfe zum Suizid vom Laien?

Die deutsche Debatte steuert auf eine Regelung zu, welche nur Laien erlaubt, Beihilfe zum Suizid zu leisten. Angehörige und die meisten Ärzte sind aber keine Fachleute! Weltweit scheitern ungleich viel mehr Suizidversuche, als dass sie gelingen. Nur Fachleute wie von Sterbehilfs-Organisationen oder speziell ausgebildete Ärzte haben die notwendige Erfahrung für eine umfassende Beratung und Durchführung.

Damit das Prinzip „So wenig Suizidversuche wie nur immer möglich, so viele begleitete Suizide wie gerechtfertigt“ sichergestellt werden kann, müssen geschulte Fachleute diese Aufgabe übernehmen.

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